HWG & HeilprG
Heilmittelwerbegesetz und Heilpraktikerrecht: Was Anbieter dürfen
Heilung versprechen, Krebs oder Sucht bewerben, ohne Erlaubnis behandeln: Was HWG und Heilpraktikergesetz sagen und wie unsere Fichen damit umgehen.
Dürfen Online-Kurse und E-Books Heilung versprechen?
Nicht ohne Weiteres. § 3 HWG verbietet irreführende Heilwerbung, und § 12 HWG untersagt außerhalb der Fachkreise Werbung zur Heilung von Krebs, Sucht und weiteren Leiden aus der Anlage.
Das Heilmittelwerbegesetz (HWG) ist kein Verbraucherschutz im engeren Sinn, wirkt für Käufer aber so: Es setzt Grenzen, was eine Verkaufsseite über Krankheiten sagen darf. Das Heilpraktikergesetz (HeilprG) regelt dagegen, wer Kranke behandeln darf. Beide Gesetze tauchen in unseren Bewertungen auf, wenn eine Seite Heilung verspricht oder eine Ausbildung zum Behandeln ausbildet.
Dieser Beitrag ordnet die Paragrafen ein und zeigt, was in unserem Katalog dazu steht. Er ist keine Rechtsberatung. Ob eine bestimmte Aussage verboten ist, klären im Streitfall Gerichte. Wir halten nur fest, was eine Seite verspricht.
Wann gilt das Heilmittelwerbegesetz überhaupt?
Bei Werbung für Arzneimittel, Medizinprodukte und andere Mittel, Verfahren oder Behandlungen, soweit die Werbeaussage Krankheiten erkennen, beseitigen oder lindern will (§ 1 Abs. 1 HWG).
Entscheidend ist die Werbeaussage, nicht die Produktart. Nach § 1 Abs. 1 Nr. 2 HWG erfasst das Gesetz auch andere Mittel, Verfahren und Behandlungen, wenn sich die Werbung auf Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder krankhafte Beschwerden bezieht. Auch das Ankündigen und Anbieten von Werbeaussagen zählt als Werbung (§ 1 Abs. 3).
Ob ein Videokurs, ein Audio oder ein E-Book im Einzelfall ein solches Verfahren bewirbt, ist eine Rechtsfrage. Eine Bewertung von uns ersetzt sie nicht. Wir halten zum Beispiel beim Kurs Mission Angstfrei 2.0 fest, dass ein Heilpraktiker für Psychotherapie als Anbieter nach unserer Bewertung den Regeln des Heilmittelwerbegesetzes unterliegt.
Was verbieten § 3, § 11 und § 12 HWG konkret?
Irreführung (§ 3), bestimmte Werbeformen außerhalb der Fachkreise wie missbräuchliche Dankschreiben (§ 11) und Werbung für die Heilung der in der Anlage genannten Krankheiten (§ 12).
Der Gesetzestext ist deutlich. Die folgenden Punkte stammen aus den Paragrafen, wie sie auf gesetze-im-internet.de stehen (Stand Oktober 2026).
Die wichtigsten Verbote
- § 3 Nr. 1: Verfahren oder Mitteln wird eine therapeutische Wirksamkeit beigelegt, die sie nicht haben.
- § 3 Nr. 2 a: Es wird fälschlich der Eindruck erweckt, ein Erfolg könne mit Sicherheit erwartet werden.
- § 3 Nr. 3 b: Unwahre Angaben über Person, Vorbildung, Befähigung oder Erfolge der tätigen Personen.
- § 11 Abs. 1 Nr. 11: Äußerungen Dritter wie Dank- oder Anerkennungsschreiben, wenn sie missbräuchlich, abstoßend oder irreführend erfolgen.
- § 12 mit Anlage: Werbung außerhalb der Fachkreise darf sich nicht auf die Beseitigung oder Linderung von meldepflichtigen Infektionen, bösartigen Neubildungen, Suchtkrankheiten (ausgenommen Nikotinabhängigkeit) und krankhaften Komplikationen von Schwangerschaft, Entbindung und Wochenbett beziehen.
Welche Folgen hat ein Verstoß gegen das HWG?
Bei irreführender Werbung droht nach § 14 HWG Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe. Nach § 15 sind Bußgelder bis 50.000 Euro möglich, bei fahrlässiger Irreführung bis 20.000 Euro.
§ 15 Abs. 1 HWG zählt als Ordnungswidrigkeit unter anderem Werbung auf eine nach § 11 verbotene Weise und Werbung zu den Krankheiten der Anlage zu § 12. Die Geldbuße kann bis zu fünfzigtausend Euro betragen (§ 15 Abs. 3). Fahrlässige Irreführung nach § 3 kann nach § 15 Abs. 2 mit bis zu zwanzigtausend Euro geahndet werden.
Für dich als Käufer heißt das: Eine Verkaufsseite, die Heilung verspricht, ist ein Warnzeichen. Ob ein Verstoß vorliegt, entscheiden Behörden und Gerichte, nicht wir. Wie du Gesundheitsversprechen erkennst, zeigt der Ratgeber Gesundheitsversprechen: Warnzeichen.
Was regelt das Heilpraktikergesetz bei Ausbildungen und Kursen?
Wer Heilkunde ausüben will, braucht nach § 1 HeilprG eine Erlaubnis. Heilkunde ist jede berufsmäßige Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten. Ein Kurszertifikat ersetzt die Erlaubnis nicht.
| Produkt | Kategorie | Angebots-Score | Preis | Zahlung | Urteil |
|---|---|---|---|---|---|
| Energy Healing Practitioner Ausbildung | Gesundheit | 5.4/10 | 690,00 € | Einmalzahlung | Lieber nicht |
| Gesundheitscoach Masterclass | Gesundheit | 4.4/10 | 997,00 € | Einmalzahlung | Lieber nicht |
| Ausbildung Ayurveda-Ernährungsberater Online (Ayurvedaschule Neutzler) | Gesundheit | 6.5/10 | 1.270,00 € | Einmalzahlung | Lohnt sich |
| Breathwork und Beambreath Grundausbildung | Gesundheit | 6.7/10 | 1.990,00 € | Einmalzahlung, inkl. MwSt. | Lohnt sich |
| Ausbildung zum Imaginationspractitioner | Persönlichkeit | 6.4/10 | 3.479,00 € | Einmalzahlung | Mit Vorbehalt |
§ 1 Abs. 1 HeilprG verlangt eine Erlaubnis für jeden, der die Heilkunde ausüben will und kein Arzt ist. Abs. 2 definiert Heilkunde als jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen. § 5 stellt die Ausübung ohne Erlaubnis unter Strafe: Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.
Stand Oktober 2026 weisen fünf Fichen mit Ausbildungen ausdrücklich darauf hin. Bei der Energy Healing Practitioner Ausbildung für 690 Euro (Lieber nicht) steht, wer nach sechs Wochen Kurs Menschen mit Schmerzen behandle, übe möglicherweise Heilkunde aus. Beim Gesundheitscoach Masterclass für 997 Euro im Formular (Lieber nicht) nennen wir Beratung zu Darm und Entgiftung nahe an Tätigkeiten, die Ärzten und Heilpraktikern vorbehalten sind.
Dieselbe Einordnung steht in unseren Bewertungen auch bei Angeboten mit besserem Urteil: Bei der Ayurveda-Ernährungsberater-Ausbildung (1.270 Euro, Lohnt sich) halten wir fest, dass Krankheiten zu behandeln Ärzten und Heilpraktikern vorbehalten ist. Zur Beambreath Grundausbildung (1.990 Euro, Lohnt sich) schreiben wir, dass das Zertifikat zu keiner heilkundlichen Tätigkeit berechtigt. Auch bei der Ausbildung zum Imaginationspractitioner (3.479 Euro, Mit Vorbehalt) steht, dass für therapeutische Arbeit am Menschen eine eigene Erlaubnis nötig ist.
Wie viele Fichen werben ausdrücklich ohne Heilversprechen?
Stand Oktober 2026 loben 49 Fichen im Pro-Punkt, dass sie keine Heilversprechen machen. 12 davon stehen bei Lohnt sich, 26 bei Mit Vorbehalt und 11 bei Lieber nicht.
Gezählt haben wir per Skript alle Fichen, in deren Pro-Liste ein Punkt kein oder ohne Heilversprechen, Heilungsversprechen, Heilaussage oder Wirkversprechen nennt. Das sind 49 von 3608. 25 davon liegen in Gesundheit & Fitness, 20 in Persönlichkeit & Beziehung.
Der Durchschnittsscore dieser 49 liegt bei 5,96, im ganzen Katalog bei 5,76. 24,5 Prozent erreichen Lohnt sich, im Katalog sind es 792 von 3608. Der Unterschied ist klein. Ein fehlendes Heilversprechen ist ein Pluspunkt, aber noch kein gutes Angebot.
Ein Beispiel dafür ist die Heilpraktikerausbildung der Online-Akademie: Sie macht keine Heilversprechen, bekommt aber Lieber nicht, weil ein vierstelliger Betrag ohne Schulnamen, Laufzeit und Impressum verlangt wird. Das Gegenstück ist Mission Angstfrei 2.0 für 297 Euro (Lieber nicht), dessen Seite Angst-Symptome in 21 Tagen verlässlich zu reduzieren verspricht und bei der wir keinen Hinweis gefunden haben, dass der Kurs keine Behandlung ersetzt. Mehr Zahlen zu Heilaussagen im Katalog liefert der Ratgeber Heilversprechen in Fichen.
Wie gehen Anbieter mit Krebs und Sucht um?
Sehr unterschiedlich. Zwei Angebote begleiten mit klaren Grenzen und stehen bei Lohnt sich, zwei andere versprechen Selbstheilung oder stellen die Medizin infrage und stehen bei Lieber nicht.
Krebs und Suchtkrankheiten stehen in der Anlage zu § 12 HWG. Dort sind sie bewusst genannt, weil Betroffene auf Versprechen besonders anfällig reagieren. Nikotinabhängigkeit ist von der Liste ausgenommen, weshalb Rauchfrei-Programme nicht unter diese Liste fallen; dazu der Ratgeber Rauchfrei-Programme prüfen.
Vier Beispiele aus dem Katalog
- Rezepte bei Krebs (19,90 Euro, Lohnt sich): Kochbuch, das laut Bewertung nicht den Krebs behandeln, sondern das Essen unter Chemotherapie erleichtern soll.
- Anderer Umgang mit Krebs (8 Euro, Lieber nicht): rahmt die Medizin als Angstindustrie und gibt keinen Hinweis, dass das Buch keine Behandlung ersetzt.
- #suchtfrei (197 Euro, Lohnt sich): Selbstlernkurs mit klaren Grenzen und Krisenhinweis; bei körperlicher Abhängigkeit gehört der Entzug laut Bewertung ärztlich begleitet.
- Suchtakademie Online (590 Euro ohne Rückgabe, Lieber nicht): verspricht Selbstheilung von Sucht ohne Verzicht.
Woran erkennst du vor dem Kauf einen unseriösen Heilanspruch?
An Heilung oder Erfolg mit Sicherheit, fehlendem Hinweis auf ärztliche Hilfe, nicht überprüfbarer Qualifikation und Kundenstimmen, die Heilung berichten. Dann bleibt es bei Lieber nicht oder Mit Vorbehalt.
Checkliste
- Steht auf der Seite, dass der Kurs keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung ersetzt?
- Verspricht die Seite Heilung, Beseitigung oder einen sicheren Erfolg, vor allem bei Krebs, Sucht oder Infektionen?
- Nennt das Impressum Anbieter, Anschrift und Berufsbezeichnung, und lässt sich die Qualifikation prüfen?
- Bei Ausbildungen: Wird ein Zertifikat als Berechtigung zum Behandeln dargestellt? Es ist keine Heilkunde-Erlaubnis.
- Berichten Kundenstimmen Heilung? Lies dazu Kundenstimmen und Sternebewertungen.
Die folgende Checkliste ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Beschwerden, einer Diagnose oder einer Sucht gehört die erste Frage an Ärztin, Arzt oder eine Beratungsstelle. Wie wir Urteile bilden, steht auf der Seite Methodik.
Häufige Fragen
Was ist das Heilmittelwerbegesetz?
Das HWG regelt die Werbung auf dem Gebiet des Heilwesens. Es gilt für Arzneimittel, Medizinprodukte und andere Mittel, Verfahren und Behandlungen, soweit die Werbung Krankheiten erkennen, beseitigen oder lindern will.
Darf ein Anbieter die Heilung von Krebs bewerben?
Außerhalb der Fachkreise darf sich Werbung nach § 12 HWG mit Anlage nicht auf die Beseitigung oder Linderung bösartiger Neubildungen beziehen, sofern das HWG anwendbar ist. Im Einzelfall klären das Gerichte.
Braucht man für Coaching zu Gesundheitsthemen eine Heilpraktikererlaubnis?
Heilkunde, also die berufsmäßige Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, setzt nach § 1 HeilprG eine Erlaubnis voraus. Ob eine konkrete Tätigkeit darunter fällt, hängt vom Einzelfall ab.
Ersetzt ein Zertifikat aus einem Onlinekurs die Heilpraktikererlaubnis?
Nein. Mehrere unserer Bewertungen halten fest, dass ein privates Kurszertifikat keine Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde ist. Die Erlaubnis nach § 1 HeilprG ist ein eigener Schritt.
Welche Strafen drohen bei verbotener Heilwerbung?
Für irreführende Werbung nennt § 14 HWG Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe. Verstöße gegen § 11 und § 12 sind nach § 15 Ordnungswidrigkeiten mit Bußgeld bis 50.000 Euro.
Quellen
Die Regeln der Plattform und die Gesetzesstellen in diesem Ratgeber stammen aus diesen Seiten, gelesen am . Preise und Bedingungen einzelner Produkte stammen aus unseren Bewertungen und sind dort datiert.
- § 1 HWG - Anwendungsbereich (gesetze-im-internet.de)
- § 3 HWG - Verbot irreführender Werbung
- § 11 HWG - Werbeverbote außerhalb der Fachkreise
- § 12 HWG - Werbung für bestimmte Krankheiten
- Anlage zu § 12 HWG - Krankheiten und Leiden
- § 14 HWG - Strafvorschrift
- § 15 HWG - Bußgeldvorschrift
- § 1 HeilprG - Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde
- § 5 HeilprG - Strafvorschrift
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